Die etwas andere Märchenstunde
Ich hatte eben die Gelegenheit eine Vorpremiere von Terry Gilliam’s neuem Film “Die Brüder Grimm” zu sehen (Trailer in HD-Qualität hier). Und ich bin begeistert. Denn auch wenn die Reviews etwas gemischt sind (was wohl an der hohen Erwartungshaltung liegt): Geht rein, ihr werdet gut unterhalten!
Der Film ist zwar nicht sehr tiefgründig und für Terry Gilliam (“Brazil”, “Fear and Loathing in Las Vegas”, “Twelve Monkeys”, “Der König der Fischer”) eher untypisch popcornkinohaft, aber er ist lustig, überraschend, toll gefilmt und hat mein Bild der Gebrüder Grimm für immer verändert. Und obwohl es manchmal Längen hatte: Ich mag das Drehbuch :-)
Schneller :-)
Ich konnte nicht widerstehen, mit einem Typographiethema mal schneller zu sein als Gerrit:
Von LinoType gibts kostenlos den Font Explorer X (Gefunden bei Olaf). Ist ein interessantes Konzept: Man verschenkt ein (offenbar recht gutes) Schriftverwaltungstool und finanziert das ganze indem man einen iTMS-ähnlichen Store für Schriftarten einbaut. Clever.
(In Kürze sicherlich mehr dazu beim Experten)
A long way down
Annik Rubens hat in ihrem (immer hörenswerten) Podcast ein Buch vorgestellt. Beziehungsweise hat sie angekündigt ein Buch vorzustellen, und es dann im darauffolgenden Podcast gemacht. Und während dieser Ankündigung habe ich gedacht “Na klar. Das neue Buch von Nick Hornby”. Weil, Blogger = Nick-Hornby-Leser. Klischees halt. Bin ich ja auch Nick-Hornby-Leser. Ausser Fever Pitch. Fussball find ich langweilig. Und so kams dann auch: Das Buch was sie vorgestellt hat war wirklich A long way down von Nick Hornby. Und weil meine Leser auch alle Blogger und hip und trendy und popkultur und so sind (juhu, gaaaanz billige Leser-Ranschmeisse…), kennt ihr das Buch wahrscheinlich auch, zumindest habt ihr was von dem Autor gelesen, stimmts? Und, falls nicht: machts. Für den unwahrscheinlichen Fall dass es Leser dieses Weblogs gibt, die noch nie was von Hornby gelesen haben, hier also mein Lesetipp, was auf den Nachttisch gehört, wenn man mit High Fidelity fertig ist:
Die Grundkonstellation von “A long way down” klingt erstmal komisch und ein bisschen zu depressiv um das Buch spontan zu lesen, es sei denn man ist Klischeeblogger und damit eben Nick-Hornby-Fan: Vier sehr unterschiedliche Leute treffen sich am Silvesterabend auf Topper’s House in London. Zufällig. Um sich umzubringen. Natürlich bringen sie sich erstmal nicht um (soviel darf verraten werden, das Buch wäre sonst auch ziemlich kurz…), sondern beschließen erst einmal zu versuchen, ob sie nicht vielleicht doch mit ihrem Leben zurechtkommen. Immerhin sind sie ja jetzt nicht mehr alleine, sondern zu viert, und das eröffnet immerhin ein paar neue Möglichkeiten, die erforscht werden können, bevor man sich umbringt. Springen kann man ja immer noch, und so ziehen die vier los, bis zum nächsten Treffen bei dem sie dann herausfinden wollen, ob der Sturz von einem zehnstöckeigen Haus (Falls ein Londoner mitliest: Ihr habt doch was höheres, oder?) immernoch der letzte Ausweg ist…
Soviel zur Inhaltsangabe, jetzt gehts zum Fazit: Das Buch ist klasse, und Nick Hornby hat nach dem lauwarmen How to be good gezeigt, dass er es doch noch kann. Die Figuren sind toll gewählt, interessant, und der Autor versteht es, die Extremsituation in der sich seine Protagonisten befinden, so zu nutzen, dass man das Gefühl hat, sie wirklich kennen zu lernen. Was auch daran liegt, dass er sich des Tricks bedient, die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive der vier Hauptpersonen zu erzählen. Und trotz des schweren Themas glänzt die Erzählung durch Sprachwitz (unbedingt das englische Original lesen!) und Beobachtungsgabe, sodass man das Buch im Urlaub am Strand oder sonstwo lesen kann, ohne dass die Urlaubsstimmung durch trübe Selbstmordgedanken verdrängt wird. Achja das versprochene Fazit (für alle die sichs noch nicht denken können…): Ganz klare Leseempfehlung von mir :-)
Two Videos
Christian Fröde, Übungsleiterkollege und Hutzenfilmveteran hat mir heute auf seinem Laptop nen kleinen Film gezeigt, den er die Woche von seinem Fenster aus aufgenommen hat, und den ich dem Millionenpublikum im Internet (ja, das seid ihr!) nicht vorenthalten will. Vorhang auf für den Dachdeckerfilm (Quicktime mit H.264 wird benötigt).
Ausserdem hab ich grad eben mal wieder die Daily Show per Bittorrent gesehen (sucht danach, is leicht zu finden), und Jon Stewart hat mal wieder gezeigt, dass er verdammt gute politische Interviews führen kann, auch wenn das für die Gäste manchmal ziemlich hart ist. Hier das Interview aus der Show vom 13.7., die auch sonst super war.
Seltsames Bekennerschreiben
Spiegel online berichtet von diesem Bekennerschreiben von Al-Quaida für die Anschläge in London. Als Quelle ist eine (ungenannte) Website angegeben.
Seltsam hierbei: Alle anderen Agenturen berufen sich auf Spiegel online als Quelle des Schreibens, nicht auf diese Website, die scheinbar nur Spiegel online kennt. Und womöglich nicht einmal das: Wenn man sich den Screenshot anschaut, bemerkt man MacOS 9-Controls auf der rechten Seite, in einem MacOS X-Fenster. Spiegel Online zeigt also keinen Screenshot, sondern einen Screenshot von einem Screenshot. Sie haben also offensichtlich nicht einmal selber Zugriff auf die ominöse Al-Qaida-Website.
Kann das jemand erklären?
Update: Inzwischen gibt SpOn die Quelle genauer an, und nennt den Namen des Forums. Trotzdem finde ich das alles recht seltsam…
Update 2: Ha! Hab ich doch richtig gelegen: Die Tagesschau verkündet soeben, dass das Bekennerschreiben nicht als echt gilt, angeblich (sic) ist es bereits wieder aus dem Netz genommen. Ja, selbst die Tagesschau sagt “angeblich”, hat also offensichtlich auch keinen Zugriff auf die Seite…
Die Analysen des Schreibens bei Fernsehsendern wie ntv & Co folgten auch alle der Argumentationslinie “Es kommen Schlüsselwörter wie ‘Kreuzfahrer’ vor, also muss es echt sein”. Dass es so einfach ist, ein Bekennerschreiben zu fälschen hätte ich nciht gedacht…
London Bombings
While CNN repeats itself over and over, there are some interesting news sources on the Internet:
- Wikipedia once again shows how great it is.
- Flickr is still full of pictures of Live8 and olympic celebrations, but there should be first-hand photos very soon.
- Londonleben blogs in german.
- The BBC has their reporters on site, and they blog.
I can’t believe that there are really people out there somewhere, to whom babaric acts like these make any sense.
Dinge, die ich in Amerika gelernt habe (1)
Ich bin wieder in Deutschland, die Uni lässt mir wenigstens ein paar Minuten Zeit doofe Artikel auf meiner Website zu schreiben, und das Powerbook geht auch wieder. Da das mit dem Livebericht jetzt im Nachhinein ja keinen Sinn mehr macht, poste ich in loser Reihenfolge meine Fazits. Thema heute: Autos.
- Stretchlimousinen fahren überall rum, zumindest in New York und San Francisco. Keiner dreht sich danach um, es gibt sie zu häufig. Wenn du auffallen willst, musst du Smart fahren oder sowas.
- Wenn du erzählst, dass es in Europa Autos mit manueller Schaltung gibt, könntest du genauso gut erzählen, dort fahren alle mit Pferdekutschen. Ist für den Ami grob das selbe.
- Schliesse eine Versicherung ab über Autobeschädigungen wenn du ein Auto mietest. Automatik kann heimtückisch sein, wenn Du sich nicht gewöhnt bist, und z.B. auf dem Parkplatz, während du in die Karte guckst, unbemerkt losrollen und langsam gegen einen Laternenpfahl fahren.
- Benzin ist wirklich billig, obwohl die Amis noch lauter über die Preise heulen als die Deutschen.
- Wenn du in der Innenstadt einen Mietwagen leihst, und die Filiale um 7pm dicht macht, dann geb das Auto einfach am Flughafen ab. Kostet keinen Aufpreis, zumindest nicht bei dollar.com in San Francisco, ich hätte es aber schon gerne gewusst
- Es gibt Strecken da ist die 4. oder 5. Fahrspur (die Highways sind breit) für Autos mit 2 oder mehr Insassen reserviert. Sehr nette Idee.
- “Speed enforced by Radar” heisst nicht, dass da eine Radarkontrolle steht, “Speed enforced by Aircraft” heisst gar nichts. Die Amis kontrollieren sehr sehr selten die Geschwindigkeit, vor allem auf wenig befahrenen Straßen. Is ja auch teuer mit so nem Flugzeug. Weiss jeder, und trotzdem halten sich fast alle dran.
Ein paar Bilder gibt es, auch zu dem, was ich hier beschreibe, aber ich mach es spannend: Jeden Tag lade ich 8 Bilder hoch, und zwar in chronologischer Reihenfolge. Die Bilder, die mit Autos zu tun haben, kommen dann später die Woche…
All my Bags are packed…
Ein paar Einträge weiter vorne habe ich ja bereits geschrieben, dass ich dieses Jahr zur WWDC nach San Francisco fliege, und von da auch fleissig berichten werde. Die Koffer sind gepackt, und die Reise ist sogar bereits losgegangen, ich tippe diesen Eintrag hier im ICE irgendwo in Thüringen zwischen Feldern und Windkraftanlagen. Morgen um 11:20 geht der Flieger Frankfurt/Main – Newark und dann gehts weiter von Newark nach San Francisco. Wer mich im coolen Dashboard-Flugtracker verfolgen will: Flug 051 und 041, beides Continental Airlines.
Bis zum 15. bin ich in San Francisco, danach geht es weiter nach New York, ich werde von beidem fleissig berichten (hoffe ich), denn ich habe PowerBook und Digicam dabei – auserdem gibts WLAN in der Jugendherberge. Speziell zur WWDC samt Keynote (und auch sonst) wird es sich wahrscheinlich lohnen diese Seite und meinen Flickr-Photostream im Auge zu behalten…
Meine zwei Lidl-Tickets hab ich übrigens bekommen, hab jetzt also drei. und eines davon nutze ich gerade. Laut Aufschrift auf der Rückseite sind “Rund-, Kreuz- und Querfahrten” ausgeschlossen. Rundfahrten verstehe ich. Aber was sind Querfahrten? Wenn der Zug entgleist? Ich hoffe dass das wirklich ausgeschlossen ist. Und Kreuzfahrten? Mit der Bahn? So mit Captain’s Dinner mit Hartmut im BoardRestaurant? Ahoi!
Ausserdem werde ich versuchen für jeden Tag, an dem ich hier was poste, einen Song zu finden, der zum jeweiligen Tag passt. Der erste ist ein kleiner großer Angriff auf die Geschmacksnerven, nämlich Udo Jürgens mit Ich war noch niemals in New York. Keine Sorge, es wird besser :-)
Update: Inzwischen bin ich in Würzburg angekommen, und weiss was eine Querfahrt ist: Wenn man an einer Station zweimal vorbeikommt. Kreuzfahrt wusste aber auch keiner der Schaffner. Nichtmal der, der mich wegen dem Umweg über Würzburg angemotzt hat – ohne irgendwie belegen zu können warum das denn nicht gehen sollte. Wäre ich einer der Neukunden, wie ihn sich die Lidlticketerfinder vorstellen, hätte mich der Blockwart Schaffner sicherlich so verschreckt, dass ich nie wieder Bahn gefahren wäre. Aber mit der Zeit lernt man ja, dass bei der Bahn die linke Hand nicht weiss was die rechte tut, und wenn von vier Schaffner einer sagt, dass etwas “ganz sicher” nicht geht, dann ignoriert man ihn eben so gut man kann. Hat mich schliesslich weiterfahren lassen.
Schnitzeljagd mit Lidl
Eine Bahnfahrt die ist zwar lustig, aber leider nicht unbedingt gut für die Fitness, denn man bewegt sich ja nicht dabei. Glücklicherweise gibt es Deutschlands große – und um die Volksgesundheit bemühte – Supermarktkette Lidl, die die Jagd nach Bahntickets noch um einiges aufregender gestaltet, als es sich selbst der sadistischste Bahnbeamte je ausdenken könnte.
Der Erste Akt ist hinlänglich bekannt: Wer auch nur Minuten nach der Öffnung um 8 versucht hat Tickets zu kaufen, ging leer aus. Ich persönlich war mit dem Fahrrad in zwei Lidl-Filialen: In der Budapester Straße, und in Johannstadt. Umsonst. Immerhin hatten sie Listen, wo man sich eintragen konnte, falls es noch Tickets gibt. Ich trug mich in beiden Filialen für 2 Tickets ein.
Dann kam der Anruf: Die Firma Lidl hätte noch ein Ticket für mich aufgetrieben. In der Bodenbacher Straße. Komisch, ich war nie in der Bodenbacher Straße, habe auch keine Ahnung wo das ist, also Frage ich die freundliche Dame am Telefon ob sie vielleicht die Budapester Straße meint, oder ob se sich gar um die Filiale in Johannstadt handelt. Es sei die Budapester, die hieße halt so. 2 Tage später kam noch ein Brief, 1 Ticket liege ab 1. Juni (heute) in der Bodenbacher Straße.
Leichtgläubig wie ich bin, radel ich also zur Budapester Straße. Seltsame Blicke (“Bahntickets? Hier?”), und der Rat es bei der anderen Filiale zu versuchen waren das Ergebnis. Also rauf aufs Rad, und auf nach Johannstadt. Heisst auch nicht “Bodenbacher Straße” da. Keine Tickets. Aber immerhin der Hinweis, wie ich denn die Bodenbacher Str. finde, denn ich hatte dummerweise keinen Stadtplan dabei. Also weitergeradelt, die Bodenbacher Str. ist etwas außerhalb; in dieser Gegend war ich noch nie. Aber immerhin mein Ticket.
Ich komme also als stolzer Besitzer eines Lidl-Bahntickets nach Hause, öffne – von eineinhalb Stunden Fahrradodyssee erschöpft – meinen Briefkasten und siehe da: Ein Brief von Lidl. Es warten noch zwei Tickets auf mich in der Loschwitzer Straße. In der FIliale war ich auch noch nie. Mal sehen was mich da erwartet. Mein Fahrrad steht bereit.
Ja, ich lebe noch, und werde auch wieder Zeit finden hier was zu schreiben. Aber erstmal nicht, leider :(
Spätestens zur WWDC gibts hier wieder was zu lesen.
Das Bild zeigt übrigens das Feuerwerk vom letzten Donnerstag, as seen from my window™. Weils auf Flickr komischerweise erst 3x angeklickt wurde, und ich eigentlich finde, dass es gut ist :)
