Overgrill
Bill Bumgartner schreibt nicht nur über Apple-Dinge, sondern auch über eines seiner Lieblingshobbys, das Grillen. Dafür benutzt er nicht etwa den 4,90€-Landtmann-Grill wie die meisten Studenten, sondern ein “Big Green Egg”, das ist ein hochgerüstetes, teures, und vor allem ziemlich schweres Grill-Gar-Gerät. Da “Fleisch rein – Grill zu” nicht viel mit Kochkunst zu tun hat, benutzt er Unmengen von Sensoren und Temperaturfühlern zur Überwachung seines Grillerzeugnsses. Jetzt hat er was neues entdeckt: Ein kleines Gerät, um die ganzen Sensoren per Internet zu steuern. Sein Thanksgiving-Truthahn hat also eine IP-Adresse…
Denn der Wähler weiss nicht, was er tut.
Schneller soll die Stimmauszählung werden. Übersichtlicher. Und zuverlässiger. Und man kann die Wahlhelfer schon kurz nach Schließung der Wahllokale heimschicken, da sie mühevolle Zählerei entfällt.
So zumindest die Theorie, die immer wieder als Begründung zur Einführung elektronischer Wahlmaschinen herhalten muss. Die Praxis hingegen sieht anders aus, und lässt sich momentan nicht nur sehr anschaulich in George’s Gottesstaat beobachten, sondern auch – von der Öffentlichkeit kaum bemerkt – im nicht ganz so fernen Cottbus.
Dort zweifelt der Chaos Computer Club, der ja trotz ihrer Reputation als Nerdverein einige ganz reale und wichtige Dinge thematisiert, aus sehr stichhaltigen Gründen die Oberbürgermeisterwahl an. Denn nicht nur bei den amerikanischen Abstimmungsgeräten, sondern bei jeder Art elektronischer Wahlmaschinen gilt: Die Nachvollziehbarkeit einer Wahl wird durch die Erhöhung der Komplexität des Wahlprozesses nicht nur dramatisch erschwert, sondern de facto unmöglich gemacht.
Die genaue Funktionsweise der Software liegt im Dunkeln. Momentan werden geschlossene, proprietäre Systeme eingesetzt. Doch auch bei Open-Source-Löungen bliebe das Hauptproblem bestehen: Niemand kann wissen, was in der Maschine vorgeht. Die Software kann manipuliert sein. Und das veränderte Programm kann die Spuren der Manipulation nach Wahlende automatisch löschen, und den Originalzustand wieder herstellen. Das ist keine Utopie und kein Gedankenexperiment: es gibt reale Beispiele für derartige Eingriffe. Und wir können nur hoffen, dass sie ausserhalb der Labors, also im Ernstfall einer richtigen Wahl noch nicht angewendet wurden. Denn Beweisen können wir es nicht, wir müssen den Maschinen vertrauen.
Denn wenn wir es nicht tun, und Ergebnisse anhand von Ausdrucken (die meistens nicht einmal vorgesehen sind!) nachzählen, haben wir gegenüber dem herkömmlichen Wahlsystem in Sachen Schnelligkeit der Auszählung und Aufwand nichts gewonnen.
Das Prinzip einer demokratischen und geheimen Wahl ist einfach: Es erfolgt zuerst eine Authorisierung der Person um sicherzustellen, dass niemand zweimal wählt. Dazu ist eine personengebundene Datenerfassung zwingend notwendig. Das Wahlbüro muss ja schließlich wissen, wer gewählt hat, und wer nicht. Das Ergebnis hingegen darf keinerlei Personenbindung mehr aufweisen, einzig die Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen muss mit der Zahl der Wähler übereinstimmen.
Der Prozess der “Abkopplung” der Stimme von der Person muss dabei für den Wählenden so transparent wie möglich erfolgen, denn er ist der einzige, der diesen Prozess nachvollziehen darf. Im Nachhinein und für jeden anderen muss die Verbindung zwischen Stimmabgabe und Person per Definition im Dunkeln bleiben. Der Wähler muss beim Wahlvorgang sicher sein können, dass seine Stimme unverfälscht angenommen und gezählt wird. Deshalb darf mit einiger Berechtigung die Frage gesellt werden, ob überhaupt im Sinne der Demokratie sein kann, diese Möglichkeit der lückenlosen Nachvollziehbarkeit seiner Wahl durch elektronische Wahlmaschinen völlig aus der Hand des Wählers zu nehmen.
Wir sollten uns nicht von der Annahme täuschen lassen, dass die aktuellen Probleme “Kinderkrankheiten” sind, die mit der nächsten oder übernächsten Generation von Wahlmaschinen behoben sein werden. Sicher, die Zuverlässigkeit wird (und muss!) besser werden, es ist nicht akzeptabel, dass Wahlmaschinen im Ernstfall den Dienst verweigern. Doch man muss dieses Problem trennen von einem grundsätzlichen Aspekt, der sich nicht lösen lassen wird: Es gibt eine technische Barriere, die die Nachvollziehbarkeit des Wahlprozesses verhindert.
Normale Wahlhelfer können nicht sicherstellen, dass mit den Wahlmaschinen alles in Ordnung ist. Sie wissen nicht, was Checksummen sind. Oder wie man sie überprüft. Auch in 50 Jahren nicht, wenn die Generation, die mit der Playstation großgeworden ist, die Wahlen auszählt. Sie verhindern nicht, dass durch winzige Manipulationen, die sehr schnell vorgenommen werden können die ganze Wahl in Frage gestellt werden kann, dann dafür muss das Wahlgerät nur für wenige Sekunden in nicht vollständig vertrauenswürdige Hände fallen. Und selbst wenn Wahlhelfer wüssten, wie sie die Integrität der Geräte sicherstellen und unerlaubten Zugriff (auch von innen!) wirkungsvoll verhindern: Es hilft ihnen nichts. Es kann trotzdem manipuliert und abgehört werden.
Wieso sollten also wir ein bewährtes und nachvollziehbares Verfahren wie das Ankreuzen von Kreisen auf einem Zettel ablösen? Wieso sollten wir ein Verfahren bevorzugen, das dem Grundprinzip der Nachvollziehbarkeit durch den Wähler widerspricht, und somit in der Lage ist, dem gesamten demokratischen Prinzip seine Legitimation zu entziehen?
Ich finde, wir sollten es nicht. Wer es noch nicht getan hat, den bitte ich also, diese Petition zur ersatzlosen Streichung des Paragraphs 35 des Bundeswahlgesetzes über den Einsatz elektronischer Wahlhilfen zu unterstützen.
Zur Belohnung gibt’s auch ein kleines Video von (mal wieder) Jon Stewart mit dem grandiosen John Hodgman über eben das Thema der elektronischen Wahlmaschinen un den USA:
The Good doesn’t always win
Heute jähren sich die Anschläge vom 11. September zum fünften mal, und die Zeitungen, das Fernsehen und das Internet sind voll von Rückblicken auf den Tag, der unser tägliches Leben so stark beeinflussen sollte. Dessen Echo wohl auch noch auf Jahre hinaus in unserem Alltag spürbar sein wird. Es war die Zeitenwende, die in den Tagen nach der Katastrophe kaum jemand wahrhaben wollte, und die dennoch eingetreten ist, denn die Geschichte wendet sich nun einmal nicht immer zum Guten.
Der tragische Verlust von über 3000 Menschenleben. Die ungewohnte Gewissheit, dass Amerika eine angreifbare Nation ist. Der Fall eines Symbols. Die vielen persönlichen Geschichten, die durch ihr plötzliches, öffentliches Ende zu öffentlichen Schicksalen wurden. Das alles bestimmte diesen Tag und gibt genug Anlass zum Gedenken. Doch auch andere Katastrophen und Kriege, wie der Tsunami in Südostasien, der Untergang von New Orleans, die zahlreichen namenlosen Toten in den Kriegen dieser Welt, und die Opfer von Armut, Krankheit und Hunger verdienen, dass ihrer gedacht wird. Was also macht den 11. September so besonders?
Durch die unmittelbare Brutalität, mit der das Ereignis unseren Alltag zerriss und durch seine mediale Verstärkung ist der 11. September zu einem Symbol geworden, welches das Symbol das er zerstörte um ein vielfaches überstrahlt. Diese Kraft ist viel und oft missbraucht worden, um Angst zu verbreiten, Kriege zu begründen, und die Bürgerrechte zu beschneiden. Selbst dann, wenn die begründeten Maßnahmen nichts mit den Anschlägen zu tun haben, oder wenn sie zur Verhinderung ähnlicher Ereignisse nichts beitragen könnten.
Doch der 11. September ist auch ein Datum der verpassten Chancen. Denn an diesem Datum ist nicht nur ein neues Symbol entstanden, sondern auch eines gefallen. Die Zwillingstürme standen aus islamistischer Sicht für etwas, dem dieser Angriff ursprünglich galt: Die gesichtslose, individualistisch-anonyme westliche Kapitalismusgesellschaft. Doch mit den Türmen fiel – für wenige Tage – diese ideologische Weltsicht, die als Begründung für den Angriff diente. Am Tag des Anschlages und in den Wochen danach blickte die Welt auf Manhattan und sah etwas, das als “Spirit of New York” gar nicht in die Pläne der Attentäter passen wollte: Denn anstelle gesichtsloser Statusbauten zerstörten sie menschliche Schicksale, anstatt die Menschen zu entzweien, schufen sie Gemeinschaft, Hilfsbereitschaft und im Angesicht der Katastrophe eine seltsame Ahnung von Glück. Für eine kurze Zeit schien die Welt vereint. Selbst in der islamischen Welt wurde wahrgenommen, dass sich hinter der so verhassten amerikanischen Fassade Menschen befinden, die gar nicht so verschieden und gar nicht so verachtenswert sind. Ich bin überzeugt, dass diese unmittelbare Wahrnehmung der Ereignisse vor fünf Jahren (mit Ausnahme der Höhlen einiger islamistischer Fundamentalisten) überall die selbe war.
Der 11. September und die Zeit danach boten die einmalige Gelegenheit, das alte Feindbild des “bösen Westens” ins Wanken zu bringen. Der Prozess, der hier hätte einsetzen können, ist der einzige Erfolg versprechende Weg, dem Nahen Osten Frieden zu bringen. Diese Chance wurde verpasst und sogar in ihr Gegenteil verkehrt. Den Mantel der Geschichte, der in diesen Tagen vorüberzog, hat leider niemand ergriffen.
Wie so oft findet Jon Stewart von der Daily Show in seinem bewegenden Auftritt nach der terrorbedingten Pause die richtigen Worte:
Back home
I’m back from my adventures in the U.S. and finally figured out a way to stop falling asleep at 5pm and starting the day at 1am (by drinking lots of coffee during the day)...
I still haven’t uploaded all the pictures I wanted to upload onto flickr since the upload rate was very crappy in the hostel. Download was ok, though. I will upload the remaining photos in the coming days, and when I find the time, I will post some articles here, too.
In good Company
I will be presenting James, my little Aggregator I did as my diploma project at Webmontag Silicon Valley on the coming monday. The event will take place in the SocialText Headquarters; for those who don’t know, SocialText is the company that employs Wikipedia inventor Jimmy Wales.
Besides my presentation, there will be a presentation on mnemo, a new way to search the web and of HyperScope, a project that Doug Engelbart, the guy who invented the mouse, is heavily involved in.
So I’m really excited to be there, and it should be very interesting. I anyone in the Bay Area is reading this (and I know you are ;-) ) feel free to join in!
(Comments closed because of spam)
WordCamp and Student Sunday
For students, this year’s WWDC has already started yesterday with “Student Sunday”. But let’s start with WordCamp on the day before, because I didn’t have time and/or network access to write about it.
WordCamp was a little conference of Wordpress users and makers in the Swedish American Hall. As some of you know I’m a Textpattern user, so I don’t exactly fit in the target audience of a 1-day conference on Wordpress. Bur I’ve been there anyways and besides getting my free t-shirt and some free food, I listened to some interesting free talks. (Did I mention that the good ol’ days of free everything from companies with a website don’t seem to be that far away anymore?) First I listened to some talks about using Wordpress as a CMS and Wordpress on high performance sites (I wasn’t there for the whole day), but the best presentation was Tantek Çeliks talk about Microformats. If you’re remotely interested in web technologies, and want to know about the “next big thing” have a look at their website. I used them heavily on my diploma thesis, so I knew most of the stuff Tantek was talking about, but it was great to see in person what I only knew from PDF slideshows. There was a Wordpress party afterwards that we missed unfortunately (sorry, Tim), because we got the location totally wrong. But anyway, it was a nice little conference.
Today started with “Student Sunday”, Apples annual Student gathering on the day before WWDC. Continental Breakfast for Apple seems to be just coffee or tea with nothing to eat (it was different last year…) but the great lunch totally made up for that. The event was located in the Mariott hotel across the street from the Moscone West. It started with some google guy whose name i ironically have to google, but I’m writing this offline without internet access… Anyway, he is the guy behind Subversion and gave an interesting talk about version control. He was followed by an apple engineer, whose name I also have to google, who introduced us to unit testing, a topic I am new at but that will certainly be used in the stuff i’ll do in the future. The next speaker’s name (and his hat) I remembered, it was Aaron Hillegrass, author of a great Cocoa Book that I can highly recommend and speaker of the great CoreData introduction at last year’s student sunday. He talked about what he called “unsexy stuff”: data structures in Cocoa. He want’s to start a little “revolution”, and I don’t know if I can blog about that, so until I find out if I can do, you have to live with the suspense. But he’s basically starting a project that can make the life job of many cocoa programmers a little bit easier.
After lunch, Aarons hands-on session was cancelled because he didn’t get the time he needed for it, so after some additional waiting time there was a presentation about Apple and student developers in China. In very short terms Apple does a lot to encourage chinese students to do Cocoa projects, and has some interesting relationships with chinese universities. I fact, they do a lot more than they do with German universities…
The next talk was Michael B Johnson, Pixars Motion pictures Lead (I’m mot really sure about his exact job title, I’ll have to google that too), who talked about how Pixar works, and how he and his (Macintosch) programs support the way Pixar makes movies. Very entertaining and interesting talk, but after having seen the exactly same talk the year before on the WWDC lunch sessions and again in a special session on Pixar, it’s starting to get a little bit old. Half of the audience were there last year, so I think Apple should have had a motivational talk that was new to everybody. Well, at least his last part about “what someone should have told me when I was a student” was new and good.
Speaking of well-known talks: Wil Shipley of Delicious Monster, who gave the legendary talk about independent Mac developers on last year’s student Sunday was back for a spontaneous Q&A session. Without any script he did a very good and entertaining presentation of his views on some Mac development topics.
So, now you know what that mysterious “Student Sunday” is like: It’s great and interesting if you attend it for the first time, but if you’ve already been there, you might already know one thing or the other. But even then it’s still worth attending, and it’s only the beginning of what promises to be an exciting week…
(I’m now leaving for the keynote after typing this at 6am. I’ll proof read this posting later, just take it as a “beta”. There’ll be pictures, too. Go Steve! ;-) )
You guys are crazy
Woah. I never thought those crappy photos I took from the other side of the street of the Moscone center would get that much attention: They are on every Mac site from the german ones like fscklog and mac-essentials all the way up to AppleInsider. And of all things, they made it to the digg.com homepage. I now have a Photo with over 40.000 views and counting. Incredible.
(Notice: I’ll proofread and link this article later, after the keynote. So it might change)
All my Bags are packed…
So, in ner halben Stunde geht der Zug Richtung Frankfurt, und morgen früh fliege ich los. Ich hoffe, dass mein PowerBook dieses mal nicht den Geist aufgibt, und ich “live” aus San Francisco berichten und flickrn kann.
Diese Tage ist Bahnfahren ja gefährlicher als Fliegen, ich hoffe, beides geht glatt, und melde mich wieder aus Kalifornien oder vielleicht zwischenduchrt aus Hochheim…
Proxima estacion: San Francisco
I finally got my student scholarship for WWDC 2006 and so it’s official now: I will go to San Francisco in August!
This fits in very well with my current plans for my future:
“James” should not die. James is the name of my yet unreleased XML-feed-aggregator for OSX which I did as my diploma project. Some may know it from my presentation at WebMontag, and it’s currently in alpha status. Since “beta” means “release” these days, alpha is the only letter left to describe something as “not yet finished”. And with James, there is a lot left to be finished. But now I have the motivation to try to bring it into a releaseable status until WWDC. Phew, that shall be a lot of work, and the summer is great here in Dresden, and then there’s the world cup… But I want to do it. And I hope to be able to continue working on it, once I started my carreer.
Speaking of carreer options, of which there are two: Find a Job in Germany (or anywhere else in Europe, in a country whose language I speak [UK, France,...]), that has something to do with web2.0, social software and other very meaningful stuff that is being described by much too generic buzzwords. The best job would be a project that combines these things with some Cocoa programming – There are a lot of possibilities and it’s fun :)
The second option would be to do the same thing – but in the United States. If there’s some possible employer who considers giving me a job or internship (for half a year, a year or maybe even longer…) I will be available for a personal interview in SF in early August :)
And if you, dear reader, have personal experience in how to handle the task of finding a job in the US from germany, which visa or permissions are needed, or if you know people I should talk to, please feel free to contact me or make a comment!
And I look forward to meeting all the folks I met in SF last year! It was – and will be – a great time!