23. Juni 2007

Wo sind die Lobbygruppen, wenn man sie braucht?

Wir haben ein ernsthaftes Problem. Nicht mit dem Web, vielleicht mit Yahoo oder Google, aber auf alle Fälle mit der deutschen Politik:

  1. Auf einen anderen Dienst (Vorschlag: Ipernity) wechseln: Das tut immerhin Flickr weh. Aber es löst das Problem nicht, auch Ipernity wird Probleme mit der deutschen Justiz bekommen, wenn sie größer sind oder gekauft werden.

    Bleibt als vierter Weg noch, endlich seine Stimme in unserer Demokratie zu erheben, auf diese Misstände hinzuweisen, und zu hoffen, dass sich was ändert. Ich hoffe, dass diese Themen mehr Öffentlichkeit finden und erste Erfolge stellen sich ja bereits ein.

    Ich würde mir wünschen, dass die Politik endlich aufhört, IT-Themen als kleine Randthemen zu belächeln und merkt, dass die Situation, die der aktuelle juristische Wildwuchs schafft, ein gewaltiges Hindernis für die Entwicklung der IT-Industrie darstellt.

    Ich würde mir wünschen, dass Konzerne wie Yahoo oder Google ein wenig mehr Mut hätten, und es bei rechtlicher Unsicherheit auch mal auf eine Klage ankommen lassen. Stattdessen ziehen sie sofort den Schwanz ein, und schießen in vorauseilendem Gehorsam weit übers Ziel hinaus – das eine kostet eventuell Geld, das andere kostet mit Sicherheit Kunden.

    Ich würde mir wünschen, dass eben diese Unternehmen endlich mal ihren Einfluss geltend machen. Politik funktioniert leider über Lobbyarbeit, warum findet das bei diesen Themen so offensichtlich nicht statt? Diese Mißstände zu beseitigen ist durchaus im Interesse der Konzerne!

    Und zu guter letzt würde ich mir wünschen, dass diejenigen, die sich mit der Thematik auskennen, nicht immer sofort in Übertreibungen, Stasi-2.0-Vergleiche und wilde Verschwörungstheorien abgleiten. Sondern so über die Situation informieren, dass sie ernst genommen werden. Denn wenn kein Problembewusstsein in der Bevölkerung vorhanden ist, dann ändert sich nichts. Und es trifft eben auch diejenigen die “nichts zu verbergen” haben, die keine Bilder von nackten Menschen durch die Datenleitungen jagen, und auch sonst einen völlig normalen und rechtschaffenen Lebenswandel pflegen.

25. Juni 2007 09:46 | assbach

sehr schöner Artikel Gernot!

25. Juni 2007 10:04 | Ute

auf den punkt gebracht!

25. Juni 2007 10:33 | Eric Eggert

100%ige Zustimmung. Stiefmütterlich wird die IT behandelt und das wird sich in Zukunft viel stärker noch auf die Wirtschaftskraft Deutschlands auswirken. Hier in Österreich steht man den Entwicklungen ein wenig positiver gegenüber, vielleicht weil das Land kleiner ist und das große Potential sieht..?

25. Juni 2007 10:34 | kosmar

kannst du den artikel bitte mal dem spiegel oder sonstwem anbieten?

25. Juni 2007 10:52 | paulinepauline

bitte den artikel auf yigg unterstützen :)

http://www.yigg.de/comments.php?id=183784

25. Juni 2007 11:11 | buetts

Völlig Deiner Meinung.

25. Juni 2007 11:41 | Michael Bielitza

Du hast vollkommen recht. Bleibt nur noch zu überlegen, wie man seine Stimme in unserer Demokratie dazu am besten erhebt. Ein Blogeintrag wie dieser hier ist sicherlich ein guter Schritt. Jetzt wird erstmal geyiggt!

25. Juni 2007 12:16 | Krest

“Gernot hat einen, wie ich finde, sehr guten Artikel zum Thema Web 2.0 in Deutschland geschrieben…”

25. Juni 2007 12:47 | anonym

Wo sind Blogs, wenn man sie mal braucht? Klar gibt es immer wieder irgendwelche kurzen “Sau durchs Dorf treiben”-Sachen. Aber kontinuierlich kümmern sich nur wenige Blogs um diese Fragen, um Aufmerksamkeit zu schaffen. Das Blog Netzpolitik.org macht das meiner Meinung nach schon sehr vorbildlich. Wir brauchen mehr davon.

[Edit von Gernot: Bitte als Namen nicht Gernot reinschreiben, wenn du nicht ich bist… Das verwirrt, ich habs in “anonym” geändert.]

25. Juni 2007 13:37 | Jens Grochtdreis

Guter Artikel. Du bist mir zuvorgekommen. Wenn ich wieder ein wenig mehr Zeit habe, bringe ich auch noch einen Aspekt rein.
Es ist wirklich traurig, daß wir auf Seiten der Legislative und Judikative soviele DAUs haben, die beratungsresistent uns allen das Leben so schwer machen.

25. Juni 2007 13:41 | Gernot

Hm, scheinbar sprengte die plötzliche und durch Twitter ausgelöste Beliebtheit dieses Artikels das System von Yigg.de: Deren Eintrag über diese Story wurde automatisch gelöscht, weil er zu schnell beliebt wurde. Wow.

Paulinepauline hat die Story nochmal reingestellt, hier ist der Link: http://www.yigg.de/183995

25. Juni 2007 13:47 | oliver

Ja, etwas eigenartig. Vor allem diese Ironie: Zensur zensieren :) Bzw. Zensurkritik zensieren.

Ich denke aber, dass die Yigg Jungs das wirklich nicht böse meinten. Nervig ist soetwas aber schon. Hoffentlich verbessern sie ihre Automatik.

Guter Beitrag!

Ich würde mir wünschen, dass eine solche gute Bewegung nicht direkt in den Schmutz gezogen wird, indem einige Spinner definitiv nicht jugendfreie und schlichtweg ekelige Bilder dann absichtlich posten. Und diese Leute sollten auch nicht mit den wüstesten und sehr bedenklichen Beschimpfungen losschreien. Mit solchen Leuten will ich nicht zusammen protestieren…

Eine Demo wird auch durch Randalen und Steineschmeisser entwertet, egal wie gut der Zweck war. The cause is the way!

Weiter so Gernot

25. Juni 2007 13:55 | Kai

Genau gestern habe ich mich mit ein paar anderen Leuten dazu unterhalten und bin fast ganz deiner Meinung. Nur sehe ich nicht nur die großen Unternehmen in der Verantwortung die Öffentlichkeit darüber zu unterrichten, dass in unserem Land einiges nicht mehr zeitgemäß läuft.

25. Juni 2007 14:03 | Lukas

Sehr guter Text, sehr gute Idee!

Das Problem ist natürlich, dass “Lobbyarbeit” sich schon sehr ekelig anhört und sowas für Leute, die schon Werbung in Blogs für den Teufel halten, vermutlich … äh: noch schlimmer ist.
Man könnte aber mal anfangen, seine Bundestagsabgeordneten auf sowas anzusprechen. Die werden in aller Regel keine Ahnung haben, wovon man spricht, aber vielleicht würden sie wenigstens begreifen, dass das Internet nicht nur aus Betrügern, Kinderschändern und Terroristen besteht.

25. Juni 2007 14:38 | renovatio06

”...aber vielleicht würden sie wenigstens begreifen, dass das Internet nicht nur aus Betrügern, Kinderschändern und Terroristen besteht.”

Und das ist umso wichtiger, da sich Schäuble ja gerade zum Abhör-Rundumschlag im Web anschickt (http://www.heise.de/newsticker/result.xhtml?url=/newsticker/meldung/91633&words=Sch%E4uble&T=sch%E4uble). Wenn das durchgeht, können wir in D-Land web 2.0 vergessen – dann will so schnell keine größere Firma sich potentiell die Finger an uns verbrennen und wir werden zur Internet-Diaspora…

Und ja, Gernot, schöner Artikel, die Punkte gut zusammengefasst.

25. Juni 2007 14:47 | Martin

Sehr gute Initiative! Es muss endlich jeder in Deutschland erkennen, dass Internet- und Technikfeindlichkeit das Land langfristig ins Abseits steuern.

25. Juni 2007 15:51 | Krest

Jo… beim “ins Abseits steuern” sind wir manchmal überraschend gut…

25. Juni 2007 16:04 | Shava

Der Artikel is wirklich klasse! Er spiegelt genau meine Meinung wieder!

25. Juni 2007 16:58 | Mirco

Absolut auf den Punkt gebracht und genial geschrieben. Respekt.

25. Juni 2007 17:47 | Thomas

Schließe mich an und gebe hinzu, dass die korrekte Adresse der Flickr-Alternative http://ipernity.com/ ist..

25. Juni 2007 17:59 | Thomas

Ach noch was, Lobbyarbeit sind auch genau diese Ankündigungen, bestimmte Dienste in Deutschland nicht mehr zur Verfügung zu stellen. Schließlich wird das Thema dann vielleicht endlich breit diskutiert und die Politik schnallt über Bande, dass der Schaden durch das Signal: “Deutschland ist technologifeindlich, hier kann man kein digitales Business machen” größer ist, als die eventuelle Schäden, die aus offener und liberaler Gesetzgebung entstehen könnten.

25. Juni 2007 19:05 | Ocean

gut dass ich russisch kann. da gibt es solche probleme nicht. das runet ist das freieste internet was es gibt! jeder kann posten und schreiben was er möchte und muss sich keine gedanken zu machen von zwielichtigen gestalten abgemahnt zu werden…

25. Juni 2007 23:07 | Thomas Wiegold

Ich würde mir wünschen, dass die Internet-Unternehmen VOR einer Entscheidung oder Äußerung mal sauber recherchieren würden, was Sache ist. Beispiel Googlemail: Da geht Google davon aus, dass mit der Vorratsdatenspeicherung anonyme E-Mail-Konten verboten werden. Tatsächlich steht das gar nicht im Gesetzentwurf, war nur vorher im Gespräch (und kann auch hinterher noch rein kommen), ist aber derzeit kein Thema. Statt sich sauber zu informieren, werden Konsequenzen in die Welt geblasen, die unnötig sind. Und bei Flickr etc. ist es ähnlich: klare juristische Beratung sieht anders aus.

25. Juni 2007 23:59 | Torsten

Google, Yahoo & Co sind doch schon ganz groß im Lobby-Geschäft. Allein die PR-Schlacht um Internet-Neutralität war beachtlich.

Es gibt aber zu beachten: Die Lobbyisten versuchen vor allem Geld zu sparen.

26. Juni 2007 01:38 | zaphodia

@Thomas Wiegold
Tatsächlich steht das gar nicht im Gesetzentwurf, war nur vorher im Gespräch (und kann auch hinterher noch rein kommen), ist aber derzeit kein Thema.

Wenn man erst darauf reagieren würde, wenn es drin steht, wäre es zu spät. Und wenn es kein Thema ist, braucht sich niemand Sorgen machen, daß sich Google zurückzieht. Ist nur eine klare Ansage, was passiert, wenn man den ursprünglichen Plan doch umsetzt.

Und bei Flickr etc. ist es ähnlich: klare juristische Beratung sieht anders aus.

Nun das hängt wohl vom Juristen ab, nach dem Motto 5 Juristen haben 20 verschiedene Meinungen ;-)
In der Praxis der Gerichtsentscheidungen ist momentan vieles ein Vabanquespiel, bei dem man sich besser auf die sichere Seite begibt. Es sei denn, man hat den Mumm Auseinandersetzungen durchzuziehen, yahoo ist dafür nicht bekannt.

26. Juni 2007 09:29 | Doener

Zu diesem Thema habe ich kürzlich auch etwas gebloggt und die größten rechtlichen Hemnisse für das Internet in Deutschland zusammengefasst:

http://www.gulli.com/news/filmpiraterie-gefaehrdet-die-2007-06-25/

26. Juni 2007 09:38 | mcmarcdeluxe

Toller Artikel, Danke! :)

26. Juni 2007 10:51 | Chester

Guter Artikel!
Frau Schavan möchte beklagt heute schon die fehlenden Fachkräfte: link: Klick
In zehn Jahren wird man sicherlich wieder einen ähnlichen Plan auf den Tisch legen, um die heutigen Fehler mit viel Geld und wenig Erfolg auszubügeln.

26. Juni 2007 11:19 | Hanno Zulla

Du beschwerst Dich, dass die Konzerne keine Lobbyarbeit machen. Mach sie doch selbst. Auch Du kannst Deine Politiker besuchen. Es ist einfach.

http://www.hanno.de/blog/2007/05/06/lobbyismus-fur-nerds/

[...] und einem grob fahrlässig handelnden Gesetzgebers beherrscht werden, gibt es ebenfalls zuhauf. Ich hatte darüber geschrieben. (Und es hat ganz gut Wellen geschlagen. Wer will, kann sich ein Radiointerview auf Fritz von mir [...]

[...] Branche wundern sich über die Internet/IT Gesetzgebung in Deutschland. Mit seinem Artikel: “Wo sind die Lobbygruppen, wenn man sie braucht?” hat Gernot vor kurzem einiges Aufsehen erregt und vielen aus der Seele gesprochen. Das hat [...]

[...] Franz bin ich auf den guten Artikel von Gernot Poetsch gestossen. Seinen Blogpost zum Thema Lobby fand ich vor kurzem schon sehr respektabel und treffend. Nun geht er einen Schritt weiter und [...]

[...] der Online-Welt nach Aufklärung und Bewusstseinswandel immer lauter. Unter anderen haben sich Gernot und Kai der Thematik bereits ausführlich angenommen, von Gernot kam heute sogar ein Vorschlag [...]

[...] fühlt sich jetzt auch sicher Gernot Poetsch, der schon vor zwei Wochen eine fehlende Lobby für solche Belange anprangert hatte. Ihm konnte ich da schon voll und ganz zustimmen. Till [...]

10. Juli 2007 11:03 | Nick Blume

Mehr http://guillemets.de/weblog/dont-mess-with-the-bunnies-mr-schaeuble... danke, Gernot für deine geschätze Hilfe. Das mit dem Logo schaffe ich es leider überhaupt, krieg ich noch Luft? ;)

10. Juli 2007 12:03 | Nick Blume

Und mehr Kritik seitens der Politiker . Das wird was.

[...] Wo sind die Lobbygruppen, wenn man sie braucht? | poetsch.org Lesebefehl! (tags: Abmahnungen Datenschutz Gesellschaft Lobbying Medienpolitik Urheberrecht Zensur Überwachung) [...]

13. Juli 2007 01:07 | Alexander Hahn

Danke für diesen Artikel, Deutschlang hinkt einmal wieder Jahre hinterher, warum? Weil niemand auf die Menschen mit Zeitgeist hört und und als geeks verurteilt…

13. Juli 2007 02:34 | Eku Wand

Da hilft mal wieder nur die Guerilla-Taktik als Revolution von unten – hoffentlich gewinnt die schnell an kritischer Masse – Spread the News!

[...] Informationen Gesetze wie das zweifelhafte neu Urheberrecht oder den Hacker-Paragraphen “durchwinken” will Gernot Poetsch etablieren: So schlägt er eine Initiative vor, die sich zur Aufgabe [...]

[...] heute gestern ist die Plattform der Netzverbesserer Online. Anstoß waren ein Blogeintrag von Gernot sowie die entsprechende Session beim BarCamp. Die Plattform läuft ebenfalls über die [...]

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