The Good doesn’t always win
Heute jähren sich die Anschläge vom 11. September zum fünften mal, und die Zeitungen, das Fernsehen und das Internet sind voll von Rückblicken auf den Tag, der unser tägliches Leben so stark beeinflussen sollte. Dessen Echo wohl auch noch auf Jahre hinaus in unserem Alltag spürbar sein wird. Es war die Zeitenwende, die in den Tagen nach der Katastrophe kaum jemand wahrhaben wollte, und die dennoch eingetreten ist, denn die Geschichte wendet sich nun einmal nicht immer zum Guten.
Der tragische Verlust von über 3000 Menschenleben. Die ungewohnte Gewissheit, dass Amerika eine angreifbare Nation ist. Der Fall eines Symbols. Die vielen persönlichen Geschichten, die durch ihr plötzliches, öffentliches Ende zu öffentlichen Schicksalen wurden. Das alles bestimmte diesen Tag und gibt genug Anlass zum Gedenken. Doch auch andere Katastrophen und Kriege, wie der Tsunami in Südostasien, der Untergang von New Orleans, die zahlreichen namenlosen Toten in den Kriegen dieser Welt, und die Opfer von Armut, Krankheit und Hunger verdienen, dass ihrer gedacht wird. Was also macht den 11. September so besonders?
Durch die unmittelbare Brutalität, mit der das Ereignis unseren Alltag zerriss und durch seine mediale Verstärkung ist der 11. September zu einem Symbol geworden, welches das Symbol das er zerstörte um ein vielfaches überstrahlt. Diese Kraft ist viel und oft missbraucht worden, um Angst zu verbreiten, Kriege zu begründen, und die Bürgerrechte zu beschneiden. Selbst dann, wenn die begründeten Maßnahmen nichts mit den Anschlägen zu tun haben, oder wenn sie zur Verhinderung ähnlicher Ereignisse nichts beitragen könnten.
Doch der 11. September ist auch ein Datum der verpassten Chancen. Denn an diesem Datum ist nicht nur ein neues Symbol entstanden, sondern auch eines gefallen. Die Zwillingstürme standen aus islamistischer Sicht für etwas, dem dieser Angriff ursprünglich galt: Die gesichtslose, individualistisch-anonyme westliche Kapitalismusgesellschaft. Doch mit den Türmen fiel – für wenige Tage – diese ideologische Weltsicht, die als Begründung für den Angriff diente. Am Tag des Anschlages und in den Wochen danach blickte die Welt auf Manhattan und sah etwas, das als “Spirit of New York” gar nicht in die Pläne der Attentäter passen wollte: Denn anstelle gesichtsloser Statusbauten zerstörten sie menschliche Schicksale, anstatt die Menschen zu entzweien, schufen sie Gemeinschaft, Hilfsbereitschaft und im Angesicht der Katastrophe eine seltsame Ahnung von Glück. Für eine kurze Zeit schien die Welt vereint. Selbst in der islamischen Welt wurde wahrgenommen, dass sich hinter der so verhassten amerikanischen Fassade Menschen befinden, die gar nicht so verschieden und gar nicht so verachtenswert sind. Ich bin überzeugt, dass diese unmittelbare Wahrnehmung der Ereignisse vor fünf Jahren (mit Ausnahme der Höhlen einiger islamistischer Fundamentalisten) überall die selbe war.
Der 11. September und die Zeit danach boten die einmalige Gelegenheit, das alte Feindbild des “bösen Westens” ins Wanken zu bringen. Der Prozess, der hier hätte einsetzen können, ist der einzige Erfolg versprechende Weg, dem Nahen Osten Frieden zu bringen. Diese Chance wurde verpasst und sogar in ihr Gegenteil verkehrt. Den Mantel der Geschichte, der in diesen Tagen vorüberzog, hat leider niemand ergriffen.
Wie so oft findet Jon Stewart von der Daily Show in seinem bewegenden Auftritt nach der terrorbedingten Pause die richtigen Worte:
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