Mittendrin statt nur dabei
Statt heute abend vor dem Fernseher zu sitzen, habe ich mich aufgemacht um das politische Geschehen direkt auf den jeweiligen Wahlpartys zu verfolgen.
Erste Station: Die Grünen. Als die erste Prognose kam, und der Balken der Grünen auf 5,0% kletterte, war der Jubel erst einmal groß. Doch nach nur ca. weiteren 20 Sekunden wich die gute Stimmung beklemmender Stille, da die NPD wirklich die prognostizierten 9% erreicht zu haben schien. Und auch den Rest des Abends schien das Erstarken der Rechtsextremen die anderen Themen zu dominieren. Selbst bei den Grünen, die immer noch zitterten, wo sie jetzt zwischen 4,9 und 5,1 Prozent liegen, blieb die Sorge um das eigene Schicksal hinter der Sorge um das NPD-Ergebnis zurück. Allerdings ließ sich niemand den Appetit am Buffet vermiesen und versuchte mit einem kühlen Pils gegen die Hitze der aufgestellten Scheinwerfer anzukämpfen.
Ganz andere und viel miesere Stimmung gab es bei der SPD. In der ungemütlichsten aller Wahlparty-Locations, die ich heute gesehen habe, versuchten sich die Genossen über das einstellige Ergebnis knapp vor der NPD hinwegzutrösten, was allerdings nicht wirklich gelang. Schon am frühen (Wahl-)Abend herrste eine Stimmung wie bei der Beerdigung, und es war wirklich nur da, wer unbedingt musste.
Die FDP hat sich für ihre Party das sehr schicke neue Kongresszentrum in Dresden ausgesucht. Leider gelang es der kleinen Partei nicht, den ansonsten leeren Prachtbau mit Leben zu füllen, außerhalb des kleinen Saales wirkte das große Gebäude seltsam verlassen und kalt. Innen feierten ältere Semester in Anzügen und junge (BWL?) Studenten in Anzügen etwas, was sich ältere Semester in Anzügen und junge (BWL?) Studenten in Anzügen unter einer Party vorstellen. Ab und an wurde die Stehplauderei unterbrochen von begeistertem Applaus, sobald auf der Leinwand ein FDP-Kandidat an der Kamera vorbeilief. Es war nicht wirklich spannend, aber wahrscheinlich waren wir aber auch nur zu spät da.
Die CDU feierte im Landtag, und der war leider weiträumig abgesperrt. Deshalb gibt es also hier nichts von der CDU-Party. Als wir ankamen hatte sich die spontane Protestkundgebung gegen Rechts wieder aufgelöst, und so gehörte das Feld vor dem Landtag wieder den kleinen Randparteien, die seltsame Verschwörungstheorien verbreiteten oder einfach nur sangen – um die Stimmung zu heben.
Alles in allem war es ein sehr interessanter Abend – mit vielen politischen Gesprächen mit Leuten unterschiedlichster Richtung, aber auch vielen bestätigten Klischees. Die Grünen sind wirklich ein bunter Haufen mit Kindern, Malstiften (Braun war unbenutzt, Gelb(!) und Grün dagegen sehr) und Studenten; bei der FDP dominieren die Besserverdiener, die SPDler pflegen ihre Depressionen zuhause und vor dem Landtag versammelt sich der Rest. Einig waren sich allerdings alle bei der Empörung über das Abschneiden der NPD. Mehr als 9% der Sachsen sind da leider leider anderer Meinung.
Update: Scheinbar sind die Grünen doch drin. Trotz anfänglichen 3,x% bei den zuerst ersten ausgezählten ländlichen Wahlkreisen vertrauten die Teilnehmer der günen Wahlparty auf ihr Potential in den Städten, was wohl auch stimmte. Richtig gezweifelt wurde am Landtagseinzug nach meiner Beobachtung nie, auch wenn das ZDF zwischendurch 4,7% errechnete.
Ne, da gabs keine Party. Wär ich aber auch nicht hingegangen.
Wo die PDS war weiss ich nicht, da war ich jedenfalls auch nicht.
Und bei den PBC`s … ;-)
ich habe gerade gehört, daß die NPD in der Tankstelle Willsdruff gefeiert haben sollen … soll es irgendwo ‘nen Mitschnitt geben …
Schade, dass das nicht bekannt war. Wenn den Laden jemand angezündet hätte, dann hätte es sich wenigstens gelohnt.
Naja, 9% sind dramatisch. Aber man sollte sich das Ergebnis mal genauer anschauen. Die großen Städte Leipzig, Chemnutz und Dresden liegen zwischen 5% und 9%, während in ländlicheren Gegenden die 10% in der Regel überschritten worden sind, Spitzenwert müßte der NPD-Direktkandidat der Sächsischen Schweiz 2 mit 16,2% !!
Müßte man sich fragen, was die Städte haben, was es auf dem Land nicht gibt? Vielleicht sind es doch die fehlenden Arbeitsplätze?
achso: Auf die NPD-Wahlparty hast du dich wohl nicht getraut? g