4. May 2005

Wahltheorien

Stell dir vor, es stehen Wahlen bevor, und du hast die Wahl zwischen zwei Parteien.

Und stell dir vor, es geht nicht mehr um Sachthemen, sondern um Gefühle – nicht Argumente spielen im Wahlkampf eine Rolle, sondern das beste Marketing für die große, zentrale, politisch eher anspruchslose Zielgruppe in der Mitte. Und beide Seiten sind sehr erfolgreich mit diesem Marketing, denn die Medien stellen sehr mächtige Instrumente dafür bereit. Was der einzelne in dieser Gruppe dann tatsächlich wählt, ist also zufällig verteilt, je nachdem, welchen ”überzeugenden” Wahlspot er zuerst sieht, in wessen Wahlrede er sich zuerst einschaltet, etc. Die Wahrscheinlichkeit, dass er sich für eine der gleichwertigen Parteien entscheidet ist genau 1/2.

Rein mathematisch ergibt sich bei zufälligem Wählen ein Gesamtergebnis von 50% für jede der Parteien, und wenn man die Gruppen der wirklich politisch Interessierten und der Nichtwähler in jedem Lager als gleich große Minderheiten annimmt, dann bleibt das auch so.

Und genau das ist in den USA zwei mal passiert, dass das Ergebnis beide Male so knapp an den 50% lag, ist kein Zufall, sondern Ausdruck eines Systems, in dem Politik entpolitisiert und somit beliebig wird.

“Menschen lernten in den Medien eine Handvoll Klischees, die auch in der Politik-Berichterstattung immer wieder aufs Neue auftauchten. Der Mangel an echter Aussage erkläre etwa den knappen Wahlausgang der USA, dessen 50:50-Proporz Ähnlichkeit mit Zufallsexperimenten habe.”

Diese sehr interessante These stammt von Joseph Weitzenbaum, gefunden hab ich sie in diesem Heise-Artikel.

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